ZEITDIEBE-MAGAZIN

ungeheuerliche begebenheiten
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18. Juni 2013 Von: berndjoel Thema: Prosaisches Kommentieren

Vertreibung aus dem Paradies

Ich sitze im Traum neben meiner Geliebten, sie schaut in den blauen Himmel und ich in ihre blauen Augen. Sie kennt sich mit Spirituellem aus, ich mit Spirituosen. Fleißig füllt sie ihr Tagebuch, während meine Gedanken fliegen. Was man schreibt, kann man nicht zerreden, sagt sie. Schreiben ist gefährlicher als Reden, finde ich. Schwarz auf weiß lässt es sich dem Urheber vor die Nase halten, wo sich bereits der sanfte Schleier des Vergessen legte. Mit dem Fahrrad durch den Park, zum Eiscafe. Da sei das Zahnritzel noch nicht wirklich warm gefahren, drum radelt sie gerne auch zum See. Ich spiele mit meinen Sprachklötzchen, türme sie aufeinander, werfe sie um und stelle wieder eins über den anderen – am liebsten wäre ich selber getürmt. Auf der Wiese wird ein Mann von seiner betrunkenen Freundin verprügelt, schnell wollte ich an ihnen vorbei, aber er kam mir schon geküsst entgegen. ⇒ ⇒ gib dir den Rest ⇒ ⇒

14. Juni 2013 Von: maluma_vs_b.j. Thema: Prosaisches Kommentieren

Am Rande der Zeit

Nilsen läuft auf Zehenspitzen, am Rande der Zeit. Vorsichtig, damit er die Zeit nicht zertritt. Er fragt sich: Wie lang ist die Zeit? Nilsen wünscht sich seine zeitlose Liebe, um gemeinsam die Zeit zu verstehen. Sie sagt, ihr laufe die Zeit davon. Aber wohin läuft die Zeit? Und wie schnell? Nilsen träumt dahin vor seinem PC. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Nilsen räumt in seiner Wohnung herum. Die Zeit lässt sich die Zeit. Die Zeit anhalten bedeutet Sekundentod. Aber er hängt am Pendel der Zeit, damit schöne Zeit langsamer vergeht, – und gibt ihr Schwung , wenn sie sich unangenehm zieht.

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Kann man Zeit dehnen, fragt sich Nilsen. Falls ja, wohin? Merkwürdige Vorstellung: Wie streckt sich Zeit? Vielleicht ein gefüllter Ballon voller Oxygenium, Luft zum Atmen. Dann sind da noch die Zeitdiebe. Die stehlen ihm einfach die Zeit. Greifen sie mit verlockenden Illusionen, mit Versprechen, die sich nicht erfüllen. Und schwupps ist er die Zeit los.

Am Rande der Zeit. Nimm mich wankend zurück in deinen Schoß. Wenn blind und taub ich dich nur fühlen kann, dann halte meine Hand.

16. Mai 2013 Von: berndjoel Thema: Empörte Bürger Kommentieren

15M Tanz ums Goldene Kalb

Am Mittwoch 15. Mai hat occupydüsseldorf auf der Kö, der Einkaufsmeile Düsseldorfs, um das goldene Kalb getanzt. Nachdem ein Besuch der Deutschen Bank von Securities behindert wurde, blockierten die AkitvistInnen erfolgreich den Eingang:

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Einsetzender Regen konnte zu 99% mit einem Rettungsschirm abgewehrt werden:

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… und wurde mit einem Warm-Up für Blockupy gekontert:

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16. Mai 2013 Von: berndjoel Thema: Empörte Bürger Kommentieren

Fracking – Brauereien fürchten um Reinheitsgebot

Förderung von Erdgas mit Hilfe von Chemikalien – die dann ins deutsche Bier landen? Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerei-Bundes Peter Hahn: “Fracking gefährdet unser Brauwasser. Wir fordern ein Moratorium. Das vorgesehene Anwendungsverbot von Fracking auf Wasserschutz- und Quellschutzgebiete greift zu kurz. Zahlreiche Wasservorkommen liegen außerhalb solcher Schutzgebiete, denen Wasser von überall her zufließen kann.” DIE WELT berichtete. Die Bundesregierung hatte zwar das Thema Fracking kurzfristig von der Tagesordnung am 15. Mai gestrichen, sie will das Gesetz aber erneut am 29. Mai ins Bundeskabinett einbringen (siehe Campact).

Fracking Reinheitsgebot Bier

Biergarten von powerfrau (fb)

Deutsche BiertrinkerInnen legen bereits Biergärten an, um ein Fracking zu verhindern. Das Argument von Frau Merkel, man könne dann doch einen Gasgrill direkt an das Bierfass anschließen, denn auch in den USA habe sich das Austreten von Gas aus dem Wasserhahn bewährt (Video: “Light your water“), scheint nicht zu greifen.

15. Mai 2013 Von: berndjoel Thema: Kirche Kommentieren

Kölner Pussy Riot vor dem Amtsgericht

Erster Prozesstag wegen Pussy-Riot-Solidaritätsaktion im Kölner Dom am Mittwoch 15.Mai., 12 Uhr Amtsgericht Köln, Sitzungssaal 22.

Am 18. August 2012 wurden drei Pussy-Riot-Aktivist_innen in Russland wegen ihrem Punk-Gebet zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Einen Tag später solidarisierte sich eine Gruppe während des Gottesdienstes im Kölner Dom. Sie trugen ein Transparent mit der Aufschrift “FREE PUSSY RIOT AND ALL PRISONERS” bei sich und sangen und schrien nach Maria, die ihnen Helfen sollte das System abzutreiben und Pussy-Riot zu befreien. Sofort stürmten Domschweizer und zwei Securities auf die singenen Aktivist_innen zu und trugen, schubsten oder zerrten sie unter Einsatz von Würgegriffen und Knietritten aus der Kirche. Dort wurden sie festgehalten bis die Polizei eintraf.

Am Mittwoch 15. Mai um 12 Uhr steht nun P. vor dem Kölner Amstgericht. Angeklagt wegen Störung der Religionsausübung, versuchte Körperverletzung und versuchte Nötigung. Wie man auch zur Aktion selbst stehen mag – Störung des Gottesdienstes -, die rechtliche Sonderstellung der Kirche, Gesetze aus dem 3. Reich, die immer noch Geltung besitzen… reicht hier ein einfaches Hausrecht, wie es jedem Bürger zur Verfügung steht, nicht aus? Wem versuchte Körperverletzung und Nötigung vorzuwerfen ist, mag der Leser selbst beurteilen:

12. Mai 2013 Von: berndjoel Thema: Empörte Bürger, Videos Kommentieren

Arte-Dokumentation “Kaufen für die Müllhalde”

„Kaufen für die Müllhalde“, ARTE, Produktion 2010
Eine Dokumentation über geplante Obsoleszenz

Wachstumsrücknahme nach Serge Latouche oder „Cradle to cradle“/Ökoeffektivität? In dieser Bandbreite wird sich unsere Ökonomie einpendeln müssen, wenn nicht mit dem heutigen Wirtschaftssystem, dann mit einem anderen. Ein No-Go ist sicherlich die heutige Methode, durch geplante, künstlich erzeugte Obsoleszenz den Ressourcenverbrauch noch anzuheizen, auch wenn es betriebswirtschaftlichen Nutzen, sprich Gewinn erzeugt.

Bei Fernsehern und Videorekordern werden die hitzeempfindlichen Kondensatoren unterdimensioniert und an Stellen eingebaut, die sich besonders aufheizen. Ob Computer, Drucker, Handys, Waschmaschinen oder Autos: Der Kunde soll ein defektes Gerät nicht reparieren lassen, sondern das Altgerät entsorgen und sich ein neues anschaffen. Deshalb wird eine technisch mögliche, aber den Verkaufszahlen abträgliche lange Lebensdauer der Ware nicht nur nicht angestrebt, sondern sogar unterbunden. Dies nennt man “geplante Obsoleszenz”. Bereits 1928 schrieb eine Werbezeitschrift: “Ein Artikel, der sich nicht abnutzt, ist eine Tragödie fürs Geschäft”. Die Dokumentation erklärt “geplante Obsoleszenz” und wie diese ein enorme Verschwendung anheizte, eine Vergeudung von Ressourcen und viele bis heute nicht absehbaren Umweltschäden.