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ungeheuerliche begebenheiten
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Artikel der Kategorie ‘Lyrisches’

Schneekönigin

Dezember 22, 2012 Von: maluma Kategorie: Lyrisches Kommentieren

Als die Schneekönigin aus dem Schloss trat,
um am Burggraben ihre Schwäne zu begrüßen,
bebte die Erde und Frau Holle schüttelte die Betten aus.
Dicke Schneeflocken wirbelten wild durcheinander,
bevor sie den Boden in ein weißes Laken hüllten.
„Einmal noch“, bettelten zwei große Kulleraugen
und schüttelten die Schneekugel wieder und wieder,
bevor sie vor lauter Erschöpfung zufielen.

Schneekönigin

Kinderträume

Juni 16, 2012 Von: maluma Kategorie: Lyrisches Kommentieren

Die alte Windmühle
mit ihren verwitterten Flügeln
stemmt sich noch immer dem Wind entgegen.

An ihren zerbrochenen Flügelspitzen
flattern bunt bedruckte Kinderträume
auf längst verblassten Wimpeln,
hin und her.

Manchmal entreißt ihr
der warme Sommerwind ein Fähnchen
und begleitet es tanzend,
auf dem Weg durch die Wolken
in den lachenden Himmel.

 

Rembrandt Mill on the Het Blauwhoofd

Rembrandt Mill on the Het Blauwhoofd

 

Sphärische Zauberwesen

Dezember 29, 2011 Von: CharlotteBuff_b.j. Kategorie: Lyrisches Kommentieren

Die Bratsche, italienisch viola da braccio, ist das Alt, ein großer, tiefer klingender Klangkörper der Violinfamilie. Ich lege meine Bratsche beiseite, lausche ihren Klängen hinterher. Figuren, in der Musik verwoben, wachsen, je tiefer die Klänge, schweben auf den Noten: Halbe Töne werden ganze, aus einer Terz wird eine Oktave.

In meinen Ohren nimmt frigga Gestalt an, ein glitzerndes Kleid
aus Edvard Griegs Klavierkonzert a-moll op.16,
vollendet ihre Aura a point.
niborx zieht eine Hose hervor, deren Samt
Leo Delibes Notturno aus “Coppelia”
sanft um seine Hüften schmiegt.
sangoma taucht im Warenhaus der Persönlichkeiten auf,
von Johann Ditters von Dittersdorf,
legt sie sich eine Stola aus Andantino um.
Lachend folgt ysatis, knüpft an ihrer Handtasche
Klänge von Claude Debussy`s Claire de lune.
(mehr …)

Ein Jahr geht zu Ende

Dezember 26, 2011 Von: sieben Kategorie: Lyrisches Kommentieren

Geschmückte Bäume
Mit Lichterketten.
Geweißte Träume
In Kinderbetten.

Gaben verpacken
In Glitzerpapier.
Kekse gebacken
Mit buntem Verzier.

Das Alte bedenken
Mit Vertrauen.
Dem Neuen dies schenken
Und dran bauen.

Mit einem Lachen
Die Welt
Zu erschüttern.

Verloren in deiner Hand

September 29, 2011 Von: maluma Kategorie: Lyrisches Kommentieren

Fotos: Rainer Driesen, Arne Hückelheim

Fotos: R. Driesen, A. Hückelheim

Verloren in deiner Hand.

Dein Blick streift mich,

fordernd, verlangend,

der Glanz in deinen Augen.

Du willst mich.

Deinen Kopf leicht zur Seite geneigt,

öffnest du sinnlich deine Lippen,

hältst mich fest.

Deine Zunge umschlingt mich,

immer und immer wieder.

Deine Liebe zerstört mich.

Verschmelzend im Augenblick,

verliere ich mich in dir.

Liebst du mich?

Es erregt dich, wie damals…

Unser Erstes Mal.

Weißt du noch?

Ja, ja, hauche ich…

mehr, mehr,

deines weißen Schaums

in meinem Munde.

Geliebte Zuckerwatte.

Nimm mich mit

September 21, 2011 Von: maluma Kategorie: Lyrisches Kommentieren

Kirchner: Zirkusreiterin (Rufus46)

Nimm mich mit in deine Welt,
wo man viele Fragen stellt.

Nimm mich mit in deine Welt,
wo die Nacht den Tag erhellt.

Wo kein Sturm die Bäume bricht,
wo jedes Wort noch Wahrheit ist.

Wo es keine Uhren gibt,
wo der Mensch einander liebt.

Nimm mich einfach mit dahin,
wo Schmetterlinge Blüten sind.

An Lianen, die zum Himmel ragen
und nicht um Erlaubnis fragen.

Nimm mich mit in deine Welt,
wo der Regen aufwärts fällt.

Wo die Wolken Fratzen schneiden
und dem Mond die Zähne zeigen.

Wo die Sessel Ohren haben
und Elefanten Fahrstuhl fahren.

Macke: Im Basar (Yorck Project)

Nimm mich mit in deine Welt,
wo man noch mit Spielgeld zählt.

Wo die Schuhe Junge kriegen
und die Löffel sich verbiegen.

Wo kein schiefer Ton die Ohren quält,
weil er grad’ Kartoffeln schält.

Nimm mich mit auf deine Reise,
wenn du müd’ wirst, bin ich leise.

Wo die Drachen rückwärts fliegen
und faul in der Sonne liegen.

Wo Marzipankartoffeln sich verstecken
und den Postmann dann erschrecken.

Nimm mich mit ins Reich der Phantasie,
Wasserkrokodile beißen nie.

Wo Löwenzahn trägt ein Gebiss,
bis er neunundneunzig ist.

Wo Butterkeks und Spiegelei,
machen sich Kartoffelbrei.

Marc: Blaues Pferd (Rufus46)

Nimm mich mit in deine Welt,
wo man mit dem Fuß die Gabel hält.

Wo mit Zylinder und auf Socken,
Flöhe in der Pfütze hocken.

Wo der Käfer auf dem Mist,
Erdbeermarmelade isst.

Fragezeichen stehen Kopf
und flechten sich ‘nen Pferdezopf.

Damen tragen gerne Bart
und Männer sind am Kopf enthaart.

Wo Seifenblasen Träume hüllen,
bis sie sich irgendwann erfüllen.