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Artikel der Kategorie ‘Geldsch(r)öpfung’

Deutsche Wirtschaftspolitik in Griechenland 1941-1944

April 26, 2012 Von: berndjoel Kategorie: Geldsch(r)öpfung, Videos Kommentieren

In seinem Text „Zur Wirtschaftspolitik der deutschen Besatzer in Griechenland 1941-1944, Ausbeutung, die in die Katastrophe mündete“ zeigt Martin Seckendorf auf, wie diese Politik Griechenland ruinierte. Bei nicht gezahlten Entschädigungen geht es in den deutschen Medien meist allein um die so benannten „Säuberungsaktionen“ (siehe dazu die letzten beiden Kapitel des Textes von Seckendorf). Selten wird jedoch über Griechenlands Plünderung im „normalen“ Wirtschaftsverkehr gesprochen. Es entspricht zwar der Logik eines kriegsführenden Landes, dass es die Versorgung seiner Besatzungstruppen dem besetzten Land aufbürdet und es sich wirtschaftliche Hegemonie sichert. Nicht jedoch, dass dies zur Zerstörung der Wirtschaft und Währung sowie zu Hungersnöten und Epidemien führt. Ich habe versucht, darüber das Wesentliche aus dem Vortrag von Seckendorf zusammen zu fassen. Aus Gründen der Lesbarkeit habe ich direkte Zitate aus dem Text nicht markiert. Möglicherweise entstandene kleinere Ungenauigkeiten möge der Leser entschuldigen. Der detailreiche, ca zehn DIN4-seitige Text von Seckendorf ist und bleibt lesenswert.

„Beschlagnahmungen“

Schnellstmöglich wurde beim Einmarsch alles Brauchbare, Lebensmittel, Treibstoffe, agrarische und mineralischen Rohstoffe, Tabak, Halbfabrikate und Maschinen- anlagen sowie Bergbau- und Industriebetriebe erkundet und „beschlagnahmt“. Die deutsche Industrie sicherte sich die wirtschaftliche Ausbeutung ganz Griechenlands4, requirierte ohne nach der Haager Landkriegsordnung notwendigen Entschädigungen. Wirtschaftliche Konkurrenten wurden so beseitigt. Im Juli 1942 schrieb der Befehlshaber Saloniki – Ägäis, in seinem Bereich sei die Fertigwarenindustrie vollständig zusammengebrochen, “da die Hauptlandeserzeugnisse wie Baumwolle, Wolle, Häute, Felle, Hanf, Harz, Seide, Gerbstoffe für die deutsche Wirtschaft beschlagnahmt sind und nach Deutschland abgeführt werden.”29

„Außenhandel“

In der nach dem offenen Raub und Vernichtung bzw. „Übernahme“ griechischer Unternehmen und Banken folgenden Periode wurde die ökonomische Ausnutzung des Landes als Export über den Außenhandel abgerechnet, der auf devisenlosem Verrechnungsverkehr, dem Clearingsystem, basierte, einem kaufmännisch korrekten Anstrich. Da der Abtransport aus Griechenland wert- und mengenmäßig ständig gesteigert wurde, von deutscher Seite aber kaum Gegenlieferungen erfolgten, entstand sehr bald ein Exportüberschuss auf griechischer Seite.32  33
Ab Herbst 1942 war der Bezug von Rohstoffen und Lebensmitteln aus Griechenland wegen der deutschen Schulden im Außenhandel “legal” nicht mehr möglich. Am 17. September 1942 wurde deshalb die so genannte DEGRIGES von der deutschen Privatwirtschaft gegründet und mit staatlichem Außenhandelsmonopol ausgestattet. Die DEGRIGES manipulierte bei der Verrechnung die Preise. Griechische Ausfuhrgüter nach Deutschland wurden preislich extrem gesenkt und die Preise für deutsche Güter, die nach Griechenland eingeführt werden sollten, stark erhöht. Das hatte vor allem zwei Effekte:
– Die deutsche Wirtschaft erreichte sowohl bei der Einfuhr als auch bei der Ausfuhr große finanzielle Vorteile, so genannte „Schleusungsgewinne“.
– Wegen der künstlichen Preisveränderungen wurde für die deutsch Seite aus 71 Millionen Reichsmark Schulden im Jahr 1942 urplötzlich 20 Millionen Reichsmark Guthaben im Jahr 1943 . Um die “Schulden” abzubauen waren die Griechen gezwungen, mehr Waren nach Deutschland zu exportieren.51

Besatzungskosten bzw. „Aufbaukosten“

Ab August 1941 musste Griechenland Besatzungskosten zahlen, für die von deutscher Seite der Terminus „Aufbaukosten“46 verwendet wurde: 1,021 Mrd. Reichsmark bis Ende 1941, 1942 waren es 2,551 Mrd. Reichsmark. Dem stand ein griechisches Volkseinkommen in Höhe von 756 Millionen Reichsmark gegenüber.36 So kam es in Griechenland zur höchsten Belastung der Zivilbevölkerung pro Kopf durch Besatzungskosten in allen von Deutschland besetzten Gebieten.37 Diese Besatzungskosten entsprachen nicht der Bestimmung der Haager Landkriegsordnung, bei der Erhebung von Abgaben die Verhältnismäßigkeit zu den Hilfsquellen des jeweiligen Landes zu wahren.38 Über diese „Aufbaukosten“ wurden in großem Umfange Ausgaben finanziert, die mit der Besetzung des Landes nichts zu tun hatten.

Auswirkungen

Die griechische Kollaborationsregierung presste die geforderten Leistungen über die Ausdehnung des Banknotenumlaufs aus dem Volk. Bei gleichzeitig sinkender Produktion war eine hohe Inflation und eine zunehmende Verelendung die Folge, das Missverhältnis zwischen Preisen und Löhnen wurde immer größer. Schwere Folgen hatte die deutsche Raubwirtschaft für die Ernährungslage der Griechen. Selbst auf dem Höhepunkt der seit Herbst 1941 einsetzenden Hungerkatastrophe, der mehrere Hunderttausend Menschen zum Opfer fielen,47 wurden dem Land weiterhin Nahrungsmittel entzogen.

Aktuell hierzu ein Monitor-Bericht, wie die deutsche Wirtschaft und der Staat von der “Eurokrise” kräftig profitiert:

 

1 Cent für die 1 Procent

November 13, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Flashmobs, Geldsch(r)öpfung Kommentieren

1 cent für die 1%

Eingeladen von der Partei “DIE PARTEI”, welche “Titanic” als Parteiorgan ihr eigen nennt, haben sich zeitdiebe bei der Aktion “Occupy Occupy” am 13.11.011 beteiligt. Zwei kleine Spendendosen für die Deutsche Bank waren schnell erstellt, und unter dem Ruf “Aktion Sorgenbank” füllten sie sich bereits auf dem Bahnhofsvorplatz mit 1-Cent-Stücken. Unsere Rettungsschirme kamen trotz Sonnenschein zum Einsatz, und manches Ständchen, den Passanten zu Ehren, ward gesungen: “Do simmer dabei! Dat es prima! Eure Moneten her!” und “Denn wenn het Ack’rmännche kütt”.

Ein Ständchen vor Karstadt

Ein Ständchen vor Karstadt

Ein heiterer Tag, der bei der kommenden Überreichung der Spendengelder an die Deutsche Bank einen netten Abschluss finden wird. Weitere Bilder gibbet hier zu sehen.

Das Video von antherify zur 1-Cent-Aktion:

Wir sind alle Walter Tietjen – der Streisand-Effekt

Oktober 09, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Empörte Bürger, Geldsch(r)öpfung Kommentieren

screenshot youtube

War bei der WiSo-Reportage „Die Bank gewinnt immer“ der Titel wohlfeil gewählt? Zwar erwirkte die Sparkasse Bremen vor Gericht, dass der Beitrag über Rentner Walter Tietjens’  Erfahrungen mit dieser Sparkasse  aus der ZDFmediathek entfernt wurde. Ebenfalls sperrte youtube eine Kopie der Reportage, die dort der YouTube-User infopointaudimax ein- gestellt hatte. “Der Antrag, das Video zu löschen, kam von uns”, verkündete Nils Andresen (mehr …)

15O – Weltweiter Aktionstag für mehr Demokratie

Oktober 08, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Empörte Bürger, Geldsch(r)öpfung 1 Kommentar →

Für den nächsten Samstag, am 15. Oktober, wird über 15october.net/de und takethsquare.net zu Versammlungen auf öffentlichen Plätzen aufgerufen, auch in unserer Bananenrepublik. Einfach “occupy (Stadt deiner Wahl)” googeln: Schon gelangt man auf eine facebook-Seite – falls nicht, selber eine erstellen. Auf der Map “Geplante Events” kann man sich auch zu seiner Stadt durchklicken. Wann ist es Zeit, endlich seinen eigenen Rettungsschirm aufzuspannen (mehr …)

BBC-Interview mit Alessio Rastani

September 30, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Geldsch(r)öpfung Kommentieren

Der private, nach Angaben vom Telegraph im Moment nicht so erfolgreiche Spekulant Alessio Rastani, hatte in einem Interview der BBC (youtube-video) seine „15 minutes of fame“, in dem er, sicherlich stellvertretend für die viele Spekulanten, ob große oder kleine, seine Weltanschauung darlegte. Bereits 2009/10 hat der etwas erfolgreichere, an der deutschen Börse zugelassene Börsenmakler Dirk Müller sein Insider-Wissen über den Finanzmarkt im Buch „Crashkurs“ veröffentlicht und er kam zu ähnlichen Ergebnissen. Typisch für Spekulanten, dass sie als Lösung individuelle Vermögensumschichtungen vorschlagen, für die sie ihre „Hilfe“ anbieten. Da das Interview des BBC einige Wellen  in den Medien verursachte, hier eine deutsche Übersetzung wesentlicher Äußerungen von Rastani: (mehr …)

Bremen und Berlin unter starkem Druck der Finanzmärkte

September 15, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Geldsch(r)öpfung 3 Kommentare →

Bundesländer, die sich nicht an die gemeinsamen Regeln der Haushaltsdisziplin halten und dadurch sich und die Bundesregierung in Schwierigkeiten bringen, müssen damit rechnen, den Bund verlassen zu müssen. Wirtschaftsexperten haben errechnet, dass Baden-Württemberg fast genauso viele Einwohner hat wie Griechenland. Hessen habe eine Wirtschaftsleistung, die mit der Griechenlands zu vergleichen sind (1): „Manche Bundesländer haben lange genug vom Länderfinanzausgleich profitiert. Auch in Deutschland darf es keine Tabus mehr geben.“ (mehr …)