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ungeheuerliche begebenheiten
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Artikel der Kategorie ‘Atomkraft’

Was tun

Juni 03, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Atomkraft Kommentieren

Nach der Merkelei, die uns auch noch als Atomausstieg vermerkelt wird, das Theater arg ausgeplünderter Atombetreiber, die noch mehr Kohle einklagen wollen, die Warnung von der Deutschen Polizeigewerkschaft, Frau Merkel solle bitte nicht wieder 110 wählen, da sei sie falsch verbunden, – wer ist da jetzt am Zug?

Möglicherweise die Antiatombewegung? Die erst am 28. Mai 160.000 Menschen auf die Strasse brachte? (mehr …)

Liebe Atomkraftbetreiber,

Juni 01, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Atomkraft Kommentieren

kennen Eure Manager nicht mehr den Unterschied zwischen Verluste und entgangenen Gewinn? Der wirtschaftliche Erfolg eines Projektes beruht auf Einnahmen innerhalb der Laufzeit des Projektes, minus Anfangs-, Finanzierungs- und Entsorgungskosten, sowie den laufenden Kosten. Die für die Kalkulation angenommene Laufzeit ist meist an den steuerrechtlichen Abschreibungszeiten angelehnt. Im Kraftwerkssektor geht man von einer üblichen Abschreibungsdauer von 20 Jahren aus. Neckarwestheim II war 1989 der letzte Atommeiler, der ans Netz ging. 2011 minus 1989 macht?

Laufen die Maschinchen nach Abschreibung noch weiter, dann spricht man gerne von einem Windfall-Gewinn. Ein Begriff für unverhofften, nicht einkalkulierten Gewinn, im Deutschen auch als Fallobst-Gewinn bezeichnet. Der ist Euch jetzt genommen worden, das tut natürlich weh, ändert aber nichts an den ordentlichen Gewinnen, die bei vernünftiger Kalkulation ja bereits von Euch erwirtschaftet wurden. Wo wir aber gerade bei dem Begriff “fall” sind – ist es Euch mal langsam aufgefallen, dass ihr gar keine volle Haftpflichtversicherung gegen das Risiko von radioaktiven Fallout habt? Oder fällt das bei Euch unter Entsorgungungskosten, die Euch ja hilfsbereite Politiker abgenommen haben, auch wenn sie jetzt darüber jammern?

Langlaufzeiten

Mai 31, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Atomkraft Kommentieren

Eine größere Augenwischerei ist kaum vorstellbar, was Frau Merkel da mit uns betreiben will.

Selbst der Bundesverband der Energiewirtschaft hält einen Ausstieg bis 2020 möglich und die schwarz-gelbe Koalition packt da noch zwei Jahre drauf, erst 2022 sollen die letzten 3 Reaktoren vom Netz gehen.

Die CDU/FDP Regierung will die Laufzeiten der Atomkraftwerke weiter in Reststrommengen berechnen und Stromkontingente abgeschalteter Atommeiler dürfen auf neuere AKW übertragen werden. Diese Regelung hat es laut Jochen Stay von ausgestrahlt.de in sich, denn nach ihr kann es passieren, dass von den 9 noch laufenden Reaktoren kein einziger Reaktor vor 2021 vom Netz geht.

Aber selbst bei den „offiziellen“ Zahlen sind im Vergleich zum alten Atomausstiegskonsens von Rot/Grün die Gesamtlaufzeiten aller Reaktoren um 18 Jahre verlängert worden.

Immerhin hat Bundesumweltminister Röttgen noch einen Geheimplan, eine Studie aus eigenem Hause über einen problemlos machbaren Atomausstieg bis 2017, gut verschlossen in der Schublade, wie am 26. Mai Welt Online berichtete – falls auch die CDU unter 5% fällt.

 

Laufzeiten der deutschen AKW´s (Stand: 30.05.2011)

Atommeiler Alte Laufzeit Rot-Grün (*) Verlängerung Schwarz-Gelb (*) Neue Laufzeit Schwarz-Gelb (*) Differenz Alt / Neu
BADEN-WÜRTTEMBERG
Neckarwestheim I 2011 bis 2019 bereits vom Netz
Neckarwestheim II 2022 bis 2036 bis 2022
Philippsburg I 2012 bis 2020 bereits vom Netz minus 1 Jahr
Philippsburg II 2018 bis 2032 bis 2021 plus 3 Jahre
BAYERN
Isar I 2011 bis 2019 bereits vom Netz
Isar II 2020 bis 2034 bis 2022 plus 2 Jahre
Grafenrheinfeld 2014 bis 2028 bis 2021 plus 7 Jahre
Gundremmingen B 2015 bis 2030 bis 2021 plus 6 Jahre
Gundremmingen C 2016 bis 2030 bis 2021 plus 5 Jahre
HESSEN
Biblis A 2011 bis 2020 bereits vom Netz
Biblis B 2012 bis 2020 bereits vom Netz minus 1 Jahr
NIEDERSACHSEN
Unterweser 2012 bis 2020 bereits vom Netz minus 1 Jahr
Grohnde 2018 bis 2032 bis 2021 plus 3 Jahre
Emsland 2020 bis 2034 bis 2022 plus 2 Jahre
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Brunsbüttel 2012 bis 2020 bereits vom Netz minus 1 Jahr
Krümmel 2019 bis 2033 bereits vom Netz minus 8 Jahre
Brokdorf 2019 bis 2033 bis 2021 plus 2 Jahre
Differenz Total plus 18 Jahre

(*) Quelle: Bundesumweltministerium

Keine Wutbürger, sondern Mutbürger braucht das Land

Mai 28, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Atomkraft Kommentieren

Wer ein Häuschen mitten im Grünen, und sei es auch nur eine Scheibchenvilla, als Hab und Gut sein Eigen nennt, nicht nur teuer über die Bank finanziert, sondern auch mit eigenem Schweiß aufgerichtet und mit eigenen Tränen über Handwerkspfusch begossen, als Traum eines Horts des Familienglücks in freier Natur, auch wenn er sich als Alptraum herausstellt, aber immerhin eine geglückte Flucht aus dem Straßenverkehrslärm der Großstädte, die durch Pendler verursacht wird, zu dem man jetzt selbst geworden ist und dafür mit immer höheren Benzinkosten abgestraft wird, – ja der will sich doch nicht der Gefahr aussetzen, jetzt Windmühlen vor seinem Eigenheim pflanzen zu lassen. Hohe Masten, die eins die Aussicht verschandeln, ewig dumpfes Surren, das einen die Waldesruhe raubt. Und seinen finanziell gewaltigen Aufwand, die Investition eines ganzen Arbeitslebens, – zusätzliche Überstunden und Schwarzarbeit statt schöner Stunden, welche die Beziehung zu Frau und Kindern vielleicht hätte retten können, kaum Zeit wenigstens den Hund im Grünen auszuführen -, auch noch durch eine Wertminderung verhöhnt.

Da kommt Wut auf: Atomausstieg ja, wenn es denn sein muss, aber bitteschön, nicht vor der eigenen Haustür, denn – und hier kommt das Totschlagargument – das Ausland wolle schließlich auch nicht verzichten. Auch ist der Deutsche preußisch erzogen und eine Entscheidung wird konsequent durchgezogen, auch wenn sie sich schon lange als falsch herausgestellt hat – denn dazu braucht es Mut.

Röttgen hält Studie zu Atomausstieg 2017 zurück

Mai 26, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Atomkraft 2 Kommentare →

Ungeheuerliche Begebenheiten, die Welt Online am 26.05.2011 um 11:16 auf ihren News-Ticker meldete:

Röttgen hält Studie zu Atomausstieg 2017 zurück

Berlin (dpa) – Bundesumweltminister Norbert Röttgen hält eine Studie über einen problemlos machbaren Atomausstieg bis 2017 unter Verschluss. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ministeriumskreisen. Die Studie war vom Umweltbundesamt erstellt worden. Auch die «Berliner Zeitung» berichtet darüber. Das Amt sieht demnach nicht die Gefahr massiv steigender Strompreise und auch keine technischen Probleme, sollte der letzte Meiler bis 2017 vom Netz gehen. Röttgen hat bisher keine Aussagen getroffen, bis wann er einen Atomausstieg für möglich hält. www.welt.de


zeitdiebe-magazin, im tiefen dialektischen Bewusstsein, dass die Weltordnung sich zwar auf Chaos gründet, dieses aber nichts dem Zufall belässt, kam nach reichlichen Überlegungen der Verschwörung auf der Spur:

Vermutlich war es Röttgers zu peinlich, die Studie von greenpeace zu bestätigen, die sogar einen sanften Atomausstieg bis 2015 für möglich hält. Die Argumentation, ein schneller Ausstieg sei “energiegefährdend”, ist jedoch schon  spätestens seit Japan eher Makulatur, denn Energiesicherheit sieht ja wohl anders aus.

(mehr …)

Andere Länder, gleiche Sitten

Mai 26, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Atomkraft 1 Kommentar →

Es entspricht der japanischen Tradition der Zurückhaltung, dass die dortigen Verantwortlichen erst jetzt und nur zögerlich zugeben, Kernschmelzen fänden bereits seit dem Erdbeben im März in drei ihrer Reaktoren statt – na ja, Japaner sind halt feinsinnig, den Manager von TEPCO war die Kernschmelze halt peinlich, und sie empfanden das wohl auch als unhöflich zu erwähnen, den Betroffenen gegenüber. Manager trauern und bedauern, wenn allzu oft was schief geht, halt lieber im Stillen.

Ein lesenswerter Kommentar zu dieser ungeheuerlichen Begebenheit von Gerd Schinkel, Politikum, WDR 5: “Glauben wollen”