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Artikel der Kategorie Dezember, 2011

Wulff klagt Facebooker wegen Verunglimpfung an

Dezember 30, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Empörte Bürger 2 Kommentare →

Wegen Verunglimpfung des Bundespräsidenten § 90 StGB sieht sich am 11. Januar 2012 ein 45-jähriger Zittauer Facebooker als Angeklagter vor einer Staatsschutz- kammer des Landgericht Dresden. Ende 2010 habe er ein Foto (vermutlich dieses) des Präsidenten-Paars auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht und angemerkt, Bettina Wulff fehle nur noch ein “Schiffchen auf dem Kopf” und sie sehe aus wie ein “Blitzmädel im Afrika-Einsatz”. Ebenfalls soll er sich geäußert haben: “Hübsch, wenn dieser Herr daneben nicht wäre.” Wulff zeigte den Inhaber der Facebook-Seite an.

Ob es sich bei einer Armbewegung um einen Hitlergruß handeln könnte, liegt im Auge des Betrachters. Eine freie Meinungsäußerung begibt sich auf ein rechtliches Glatteis, wenn sie satirisch daher kommt, und somit Verfremdungen, Verzerrungen und Übertreibungen beinhaltet. Denn leider wird hier mit zweierlei Maß geurteilt: Wenn ein Politiker einen anderen mit Goebbels vergleicht oder eine bekannte Satire-Zeitschrift sich einen bösen Scherz erlaubt, heißt dies anscheinend noch lange nicht, dass ein einfacher Facebooker das gleiche Recht einer satirischen Äußerung beanspruchen kann.

Weiterführende Artikel:
zum Fall: http://johannes-schumacher.blogspot.com/
Satire und Recht: http://zeitdiebe-magazin.de/art-5-gg-rechtliches-satire/

Update 10.01.2012: Wulff sagt Gerichtstermin ab. tagesspiegel.de

Sphärische Zauberwesen

Dezember 29, 2011 Von: CharlotteBuff_b.j. Kategorie: Lyrisches Kommentieren

Die Bratsche, italienisch viola da braccio, ist das Alt, ein großer, tiefer klingender Klangkörper der Violinfamilie. Ich lege meine Bratsche beiseite, lausche ihren Klängen hinterher. Figuren, in der Musik verwoben, wachsen, je tiefer die Klänge, schweben auf den Noten: Halbe Töne werden ganze, aus einer Terz wird eine Oktave.

In meinen Ohren nimmt frigga Gestalt an, ein glitzerndes Kleid
aus Edvard Griegs Klavierkonzert a-moll op.16,
vollendet ihre Aura a point.
niborx zieht eine Hose hervor, deren Samt
Leo Delibes Notturno aus “Coppelia”
sanft um seine Hüften schmiegt.
sangoma taucht im Warenhaus der Persönlichkeiten auf,
von Johann Ditters von Dittersdorf,
legt sie sich eine Stola aus Andantino um.
Lachend folgt ysatis, knüpft an ihrer Handtasche
Klänge von Claude Debussy`s Claire de lune.
(mehr …)

Weihnachtsansprache Wulff

Dezember 26, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Empörte Bürger Kommentieren

Christian Wulffs gestrige Weihnachtsansprache konnte ich wegen der gleichzeitigen 5minütigen Schwabenstreiche meiner Nachbarn kaum verstehen. Aber zumindest Passagen seiner Rede sind – so doch zumindest sinngemäß – im Gedächtnis verblieben:

Fröhliche Weihnachten, liebe Bürginnen und Bürgen!

An diesem Weihnachtsfest grüße ich Sie alle: meine Gläubiger, die heute der Vorteile ihrer Großzügigkeit gedenken – und all diejenigen, die keinen Zugang zu geschenkten Krediten haben. Aus dem Schloss Bellevue grüße ich alle Frauen und Männer, die meine Frau und ich über die Jahre kennen gelernt haben. Sie haben uns alle beeindruckt, weil sie auf ganz unterschiedliche Art und Weise für uns da sind. Einfach so – weit über all das hinaus, was man eigentlich erwarten könnte. Sie helfen mir und meiner Familie und stiften den Zusammenhalt, der uns letztlich trägt.

Es hat uns nicht schockiert, dass viele Vermögende dieses Jahr wieder Politiker geplant bestochen haben. Da haben wir schon immer die Hand aufgehalten. Ich habe auch die Angehörigen getroffen. Die Gespräche mit ihnen haben mich tief bewegt. Viele haben erzählt, dass sie nicht nur ihren Namen gegeben haben, sondern selbst profitierten. Sogar Freunde und Verwandte haben ihren Teil erhalten.

Deutschland hat in der Welt einen guten Ruf, weil fast nirgendwo sonst die Bereitschaft, den Reichen zu helfen, so groß ist – bei Bankenkrisen, bei Steuerhinterziehung und bei unseren regelmäßigen Appellen, mehr zu sparen und zu arbeiten. Darüber zeigen mir viele im Ausland immer wieder ihre Verwunderung.

modifiziert: Originalfoto Ukko.de

Liebe Bürginnen und Bürgen, Weihnachten ist das Fest der Amigos und ihres Friedens. Nehmen wir uns das Geld der Welt. Meine Frau und ich wünschen Ihnen frohe, gesegnete Weihnachten und uns selbst ein reich gefülltes neues Jahr 2012!

Weitere Interpretationen von Wulff auf taz.de und auf swiss-lupe.blogspot.com

Ein Jahr geht zu Ende

Dezember 26, 2011 Von: sieben Kategorie: Lyrisches Kommentieren

Geschmückte Bäume
Mit Lichterketten.
Geweißte Träume
In Kinderbetten.

Gaben verpacken
In Glitzerpapier.
Kekse gebacken
Mit buntem Verzier.

Das Alte bedenken
Mit Vertrauen.
Dem Neuen dies schenken
Und dran bauen.

Mit einem Lachen
Die Welt
Zu erschüttern.

Sternschnuppe

Dezember 22, 2011 Von: muntifi Kategorie: Prosaisches Kommentieren

Leonidas sigloXIX

In der Nacht schleudert Edda selbst gebastelte Sternschnuppen durch die Bude und wünscht sich eine Putzfrau. Am Morgen erwacht sie unter ihrem Bett und krabbelt gut gelaunt in den Tag. Sie trägt ein Tuch auf dem Kopf und geht mit Schwamm und Bürste ins Badezimmer. Anstatt zu duschen, wischt und schrubbt sie singend die Fließen.

„Was für ein Tag!“ singt Edda, als sie die Wintertage von den Fenstern wischt und den Himmel poliert. „Das Leben ist einfach!“ ruft sie auf die Straße und schüttelt die Betten aus. Ein Lächeln, ein Kichern und ein Liedchen segeln auf die Straße und nisten sich auf den Köpfen der Passanten ein.

Sie zählt, wie oft man ihr ‘schöne Feiertage’ wünscht und schreibt die Zahl groß auf den Küchenboden. Diese Zahl teilt sie durch ihre freien Arbeitstage und multipliziert das Ergebnis durch die Anzahl der Anrufe auf dem AB. Das Ergebnis malt sie spiegelverkehrt auf die Stirn und lernt es bei Kerzenlicht vor dem Spiegel auswendig.

Den gewischten Staub füllt Edda in ein Schraubglas und beschriftet es mit dem Datum des Tages. „Einfach machen“ schreibt sie auf das Etikett und unterzeichnet mit einer Sternschnuppe.

Herzrührende Weihnachtsgeschichte

Dezember 20, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Empörte Bürger Kommentieren

Weihnachtscharts – verdächtig: Also gut, der Mann hätte für eine Notübernachtung nichts zahlen müssen, aber so ein bisschen Mitgefühl (und Alkohol) macht auch warm ums Herz, oder? Eine wirklich schöne, weihnachtliche Gutmenschen-Geschichte von Kölner Occupyern