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ungeheuerliche begebenheiten
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Artikel der Kategorie Oktober, 2011

15O – Weltweiter Aktionstag für mehr Demokratie

Oktober 08, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Empörte Bürger, Geldsch(r)öpfung 1 Kommentar →

Für den nächsten Samstag, am 15. Oktober, wird über 15october.net/de und takethsquare.net zu Versammlungen auf öffentlichen Plätzen aufgerufen, auch in unserer Bananenrepublik. Einfach “occupy (Stadt deiner Wahl)” googeln: Schon gelangt man auf eine facebook-Seite – falls nicht, selber eine erstellen. Auf der Map “Geplante Events” kann man sich auch zu seiner Stadt durchklicken. Wann ist es Zeit, endlich seinen eigenen Rettungsschirm aufzuspannen (mehr …)

Staubsauger, unverstanden

Oktober 07, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Prosaisches Kommentieren

Mein Staubsauger scheint sich nicht mit einem rein freundschaftlichen Verhältnis zufrieden zu geben. Er missinterpretiert die Gefühle, die ich zu ihm hege, ja er fühlt sich sexuell angezogen. Dabei habe ich vor der Wahl des Modells nach Kundenrezensionen Ausschau gehalten, denn Hersteller legen einen Mantel des Schweigens über solch absonderliches Verhalten. Weil ein Staubsauger Schwierigkeiten hat, seine Gefühle in Worte zu fassen, versagen gesprächstherapeutische Ansätze, – es kann sogar passieren, dass er in einem Schrei nach Liebe mir den gesammelten Staub wieder in die Wohnung hinaus schleudert. 

Mein Versuch, hier einen Garantiefall zu reklamieren, scheiterte unweigerlich am Unverständnis schlecht informierter Teleservice-Angestellten. Ich sollte vielmehr tolerant sein und akzeptieren, dass mein Staubsauger nicht nur der ist, für den ich ihn gehalten habe. Es sind insbesondere diese Fremdheiten, die man am Staubsauger auch lieben können muss. Dann kommt etwas zustande, etwas Wahres und Schönes, – denn ohne Staubsauger ließe sich der Schmutz auf Erden nicht ertragen.

Volksabstimmung über S21 – Nein heißt jetzt Ja

Oktober 05, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Empörte Bürger Kommentieren

Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann verpasste u.a. die mehr als doppelt höher als geplante Grundwasserentnahme der S21-Arbeiten als Berechtigung für ein Planänderungs- und neuem Baugenehmigungsverfahren zu ergreifen, somit das Kellerbahnhof-Projekt zu schleifen und sich über ordentliche Prüfungen des Kellerbahnhofsprojekts in Stuttgart zu entledigen, wie die damalige NRW-Regierung erfolgreich mit dem Schnellen Brüter in Kalkar verfuhr. Nicht auszudenken, wenn Volkes Stimme über den Brüter entschieden hätte – wo doch damals ohne Atom noch alle Lichter ausgegangen wären.

Statt dessen erstarrte Kretschmann zuletzt wie ein Kaninchen vor dem von der Bahn (mehr …)

Undercover

Oktober 04, 2011 Von: muntifi Kategorie: Prosaisches Kommentieren

“Zu kalt!” rufen die Einen, “Zu heiß!” die Anderen. Edda sagt energisch: ” Es ist handwarm!” Einmal in der Woche dichtet sie das Tischfußballspiel ab, um das Spielfeld mit Badewasser zu fluten. Sie bewegt die in die Jahre gekommenen Spielfiguren vorsichtig im Wasser und lächelt zufrieden. Dann bindet sie ihr Kopftuch um und macht sich auf den Weg zu einem großen verglasten Bürogebäude, das wie ein goldener Käfig in der Abenddämmerung steht. Mit der Putzkolonne arbeitet sie sich durch die Etagen. Edda gehört keiner Weltreligion an. Seit sie beobachtet hat, dass ihre Gedanken langsam sind und Antworten und Kommentare sich erst nach Tagen auf schnelllebige Äußerungen ihrer Mitmenschen bilden, hat sie entschieden, das Kopftuch zu tragen. So erwartet man keine Äußerungen ihrerseits und Edda gewinnt Zeit zum Nachdenken.

Sie wischt mit dem Putzlappen über teure Schreibtischoberflächen und saugt Teppichböden in stickigen feinen Büros. Sie versprüht Mischungen von Lavendel-, Zedern- und Orangenduft und schließt die Bürotüren, wenn alles wieder fein säuberlich auf seinem Platz liegt. Die Menschen, die am darauffolgenden Morgen ins Büro kommen, fühlen sich wohl, weil Eddas langsame Gedanken die Räume geordnet haben. Edda macht keinen Unterschied zwischen den Büromenschen und den Figuren ihres Tischfußballspiels. Sie tut was sie kann. Tagsüber schreibt sie Dissertationen und verkauft diese an schnelllebige Managerinnen und Manager, denkt sich Heilgymnastik für alternde Spielfiguren aus und erfindet Duftmischungen, die in den Büros lebendige Atmosphäre schaffen.

Edda erwartet keinen Dank. Sie will leben und gestalten und hat sich für die Unsichtbarkeit entschieden, weil die Sichtbarkeit Neid, Missgunst und Konkurrenz bedeutet. Edda kann böse sein. Das verschiebt sie jedoch bewusst aufs Alter. Dann wird sie den Menschen ins Gesicht spucken und ausgewählten Personen das Bein stellen. Wer über das Bein einer alten Frau stolpert, ist selbst schuld. Edda wird Tauben zählen und nebenbei Beobachtungen machen, die sie zu Handlungen zwingt, die man alten Menschen nicht übel nimmt.
“Undercover” nennt Edda dieses Leben unter dem Kopftuch und versteckt grinsend eine Spraydose unter ihrem Rock.

… weitere Texte von muntifi auf muntifi.blog.de

Hanno Depner: “Gedankenwürfel”

Oktober 03, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Ungeordnetes, Videos Kommentieren

Jeder von uns bastelt sich ein Gedankengebäude, mehr oder weiniger gelungen, meist zu einfach, dann wieder zu komplex. Oft hält es ein Leben lang, manchmal fällt es in sich zusammen. Hanno Depner nahm dies wörtlich und bastelte 8 Jahre lang an einem Würfel für Emanuel Kants „Kritik der reinen Vernunft“. Eine Philosophie in 3D, in klaren geometrischen Formen, die dann doch etwas wuchernd Organisches bekommt.

Etwas genauer kann Hanno Depner dies am besten selbst in diesem Video erklären:

 

Thilo Seibel: “Das wird teuer…”

Oktober 02, 2011 Von: berndjoel Kategorie: Kabarettisten, Videos Kommentieren

Gestern war in der Kölner Theaternacht auch Thilo Seibel im Bürgerhaus Stollwerk zu hören. Thilo Seibel versucht politisches Kabarett mit Comedy-Elementen zu verbinden. Sein neues Programm für den Herbst 2011 heißt: “DAS WIRD TEUER! – ein Polit-Handwerker greift durch”. Handwerker demontieren, Politiker dementieren – das eine kommt von “Demontage”, das andere von “Demenz”. Und Handwerker lügen auch nicht, denn Sie sagen Ihnen immer: “Das wird teuer!“. Der Handwerker sagt es allerdings, bevor er die Arbeit annimmt, der Politiker sagt es Ihnen erst nach der Wahl. Gelungen ist Thilo Seibel auch seine Parodie eines Bankmanager, welcher den Rating-Agenturen zuflüstert, die Staaten, welche die Banken vor dem Bankrott bewahrt haben, seien jetzt so hoch verschuldet, dass sie kaum noch kreditwürdig sind.

Sehenswert ist sein youtube-video „Generationenkonflikt“. Hier ein Porträt mit und über Thilo Seibel: